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«Langfinger» machen keine Ferien

19.07.2017    

Hauseinbrüche nehmen seit einiger Zeit deutlich zu. Zur «Hochsaison» der Langfingerzunft gehört dabei auch die Ferienzeit, wenn viele Eigenheime unbewohnt sind. Mit einigen einfachen Massnahmen für die Ferien kann das Risiko gesenkt werden.

Ferienzeit ist Einbruchszeit! Dies erst recht, wenn einem Haus schon auf den ers­ten Blick anzusehen ist, dass die Bewohner offensichtlich in den Ferien sind: ein überquellender Briefkasten, Rollläden, die Tag und Nacht geschlossen sind, abends kein Licht in den Wohnzimmern usw. sind solche «Einladungskarten» für die Langfingerzunft, sich in aller Ruhe und weitgehend sicher vor Entdeckung im fremden Haus «zu bedienen».
Das wichtigste Ziel eines Einbrechers ist es, möglichst schnell und unbemerkt – also auch geräuschlos – in ein Haus einsteigen zu können. Gehen wir also einmal davon aus, dass Haus- und Terrassentüren, Fenster und Kellerschächte ausreichend gesichert sind, also ein rasches und unbemerktes Eindringen von vorneherein deutlich erschwert ist (entsprechende Beratungsunterlagen zur generellen Sicherung eines Hauses sind bei der Polizei, bei Fachfirmen oder im Internet erhältlich). Im Hinblick auf Ferien ist sehr zu empfehlen, dass Wertgegenstände – etwa Schmuck – gerade in Ferienzeiten an einem sicheren Ort deponiert werden: in einem Bankschliessfach oder bei Familienangehörigen. Und noch ein Tipp der Polizei: Schränke und Schubladen im Innern eines Hauses sollten nicht abgeschlossen werden, denn diese werden mit Garantie gewaltsam aufgebrochen, so dass dieser Schaden oft höher ist als derjenige durch gestohlene Gegenstände.  

Das Haus muss bewohnt wirken

Bei Ferienabwesenheit kommt hinzu, dass das Eigenheim tagsüber und vor allem auch abends sowie in der ersten Nachthälfte den Eindruck erweckt, dass die Bewohner zu Hause sind. Denn: Oft genug sind Einbrecher bzw. organisierte Langfingerbanden schon vor ihrem Einbruch unterwegs, um gerade in Ferienzeiten unbewohnte Wohnobjekte «auszubaldowern», wie es in der Gaunersprache heisst. Bitten Sie also rechtzeitig vor Ihrer Abreise Familienangehörige oder freundschaftlich verbundene Nachbarn, neben dem Blumengiessen auch um einige wenige kleine Dienstleistungen. Dazu gehört zunächst vor allem, den Briefkasten regelmässig zu leeren. Zu empfehlen ist ohnehin, die Post an die Ferienadresse umzuleiten oder bei der Poststelle deponieren zu lassen. Es geht dann nur noch um die unadressierten Werbesendungen, die aus dem Briefkasten geholt werden sollten. Ebenso zu empfehlen ist, dass bei den – idealerweise unregelmässigen – Kontrollgängen durch Vertrauenspersonen öfters die Rollläden bewegt werden, so dass ein Haus schon tagsüber bewohnt erscheint.  

Nützliche technische Geräte

Es gibt einige kleine technische Hilfsmittel, die massgeblich dazu beitragen, dass das Haus bewohnt erscheint. Dazu gehören vor allem Zeitschaltuhren, die für wenig Geld erhältlich sind. Eine Ständerlampe im Wohnzimmer und eine Nachttischlampe im Schlafzimmer, die nach Einbruch der Dunkelheit nacheinander für ein bis drei Stunden jeweils über eine Zeitschaltuhr gesteuert brennen, sind dabei sehr wirkungsvoll, sofern an den Rollläden ein Spalt offen gelassen wird, durch den die Beleuchtung dann auch tatsächlich sichtbar ist. Im Elektronik-Handel ist auch ein kostengünstiger sogenannter TV-Simulator erhältlich, der – wiederum mit einer Zeitschaltuhr gesteuert – den Eindruck erweckt, dass ein Fernseher laufe. Über eine Schaltuhr kann schliesslich tagsüber auch ein Radio betrieben werden, denn oft vergewissern sich Einbrecher auch mit dem Ohr an der Haustüre, ob Geräusche zu hören sind, die auf anwesende Bewohner hindeuten.  

Notfalls den Zutritt der Polizei ermöglichen

Etwas teurer sind neuartige Raumkameras mit Bewegungsmeldern, die via WLAN Videobilder des Raumes auf das eigene Smartphone mit entsprechender Alarmfunktion übermitteln, sobald der Bewegungsmelder aktiviert wird. Dann allerdings ist ein Einbrecher bereits schon in der Wohnung. Es müsste also sichergestellt sein, dass aus den Ferien sofort Angehörige oder Nachbarn alarmiert werden können, wenn sich Unbefugte im Hausinneren aufhalten. Und dann müssten diese Vertrauenspersonen auch einen Hausschlüssel haben, damit die Polizei im Notfall auch ins Hausinnere gelangen kann. Diese Anforderung gilt auch, wenn eine Alarmanlage installiert worden ist. Diese sollte ohnehin gewisse qualitative Mindeststandards erfüllen und von einem Fachmann installiert worden sein. Eine solche Anlage bewegt sich demnach kostenmässig im mittleren bis oberen Preisbereich. Dabei müsste gerade bei Ferien-Abwesenheit sichergestellt sein, dass die Anlage bei einem Fehlalarm – den Nachbarn zuliebe – möglichst rasch abgestellt werden kann oder aber der Zugang durch die Polizei möglich ist.  

Aufmerksame Nachbarn

Ausgesprochen wirksam sind sodann Nachbarn, die gegenseitig stets ein wachsames Auge auf die Häuser und Wohnungen in ihrer Nachbarschaft halten. Sie kennen auch die Leute im Quartier und können entsprechend reagieren, wenn sich Fremde mehr oder weniger auffällig in der Siedlung bewegen – allenfalls mit kritischen Fragen an diese. Wer unlautere Absichten hat, wird sich bei dieser «sozialen Kontrolle» dann wohl zweimal überlegen, ob er oder sie einem üblen Handwerk nachgehen soll. Gerade hier zeigt sich der Wert einer guten Nachbarschaftspflege, die ja dann auch ausserhalb von Ferien weiterbesteht. ebo.